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Viele Hochschulabsolventen, die sich für Innovation interessieren, stehen vor der Frage, ob es für sie besser ist, zu einem großen Konzern, einem Mittelständler oder einem Startup zu gehen. Vielleicht sollten sie ihre Entscheidung davon abhängig machen, wer ihnen die besten Möglichkeiten für eine Innovationslaufbahn bietet.

Manager hier und Gründer dort

Eine Studie der Personalberatung Korn Ferry analysiert die unterschiedlichen Karrierewege der Spitzenmanager in deutschen Großunternehmen und bei amerikanischen Technologie-Champions.1 Das Ergebnis: Während die deutschen Chefs nahezu ausschließlich eine klassische Managerkarriere durchlaufen haben, verfügt ein großer Teil der US-Spitzenkräfte über eigene Erfahrungen als Unternehmensgründer. Dieses Ergebnis wirft interessante Fragen auf:

  • Müssen wir darauf warten, dass aus den Startups in unserem Land erfolgreiche Konzerne werden?
  • Oder funktioniert das gegenwärtig wieder einmal aktuelle Konzept einer Zusammenarbeit zwischen etablierten und jungen Unternehmen diesmal besser als in der Vergangenheit?

Wir vertreten die These, dass es zu diesen Optionen eine Alternative gibt. Diese Alternative ist die Etablierung der Innovationslaufbahn als eigenständigem Karriereweg in größeren Unternehmen.

 

Klassische Karrierewege

Der klassische Karriereweg in Unternehmen ist die Führungslaufbahn, die über die Leitung einer Abteilung und eines Bereichs auf die Geschäftsführungs- bzw. Vorstandsebene führt. Dieser Weg ist durch eine zunehmende Personalverantwortung gekennzeichnet.

Daneben gibt es die Fachlaufbahn, bei der die wachsende Kompetenz in einem oder mehreren Fachgebieten im Mittelpunkt steht.

Ein dritter Weg neben der Führungs- und der Fachlaufbahn ist die Projektlaufbahn. Die Projektlaufbahn hat sich aus der zunehmenden Bedeutung von Projekten als Organisationsform entwickelt. Die Rolle des Projektleiters ist ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Karriereweg. Bei der Fach- und Projektlaufbahn sind die Karrieremöglichkeiten allerdings begrenzt.

Während die Führungslaufbahn vor allem auf das effizienzorientierte Managementsystem eines Unternehmens gerichtet ist, möchten Unternehmen mit der Fachlaufbahn eine Alternative für Experten bieten. Die Fachlaufbahn, wie man sie z.B. auch aus Wissenschaftsorganisationen kennt, findet sich in etablierten Unternehmen unter anderem in zentralen Forschungs- und Entwicklungsbereichen. Diesen Zentralbereichen fehlt aber häufig die Agilitt von Startups, die sich viele der Technologie-Champions aus den USA bewahrt haben.

Es stellt sich daher die Frage, ob es eine Ergnzung zu diesen klassischen Karrierewegen gibt und falls ja, wie eine solche Ergänzung aussehen könnte.

 

Gibt es Alternativen?

Am Anfang dieser Suche nach Alternativen steht die Hypothese, dass sich ein effizienzorientiertes und ein innovationsorientiertes Managementsystem grundlegend voneinander unterscheiden. Beide Managementsysteme erfordern unterschiedliche Kompetenzen. Unternehmen wie Apple und Alphabet/Google scheinen dies verstanden zu haben und werden aufgrund ihres Erfolgs als disruptive Herausforderung wahrgenommen.

Wie könnte nun der Karriereweg in einem innovationsorientierten Managementsystem aussehen? Ein logischer erster Schritt im Rahmen eines solchen „eigenständigen Wegs“ ist die Leitung von Innovationsprojekten. Eine wichtige Bewährungsprobe ist dann die Leitung einer neuen Einheit für ein Innovationsfeld. Die Innovationslaufbahn kann schließlich zum Leiter Innovationsmanagement oder Chief Innovation Officer führen. Diese Position sollte auf der ersten Führungsebene angesiedelt sein und über genügend Rückendeckung durch das Aufsichtsgremium verfügen.

Eine wichtige Aufgabe für viele Chief Innovation Officer liegt gegenwärtig in der Bewältigung des digitalen Wandels.

 

Was ist das Besondere an der Innovationslaufbahn?

Die Besonderheiten dieses Karriereweges für Innovationsmanager lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Innovationslaufbahn bietet eine interessante Perspektive für Fachexperten mit der Motivation, Ideen für neue Geschäftsmöglichkeiten auch umzusetzen
  • Sie liefert eine  Führungsperspektive, bei der nicht die Größe und Effizienz einer Einheit entscheidend sind, sondern deren Innovationserfolg
  • Im Mittelpunkt steht das Management eines Portfolios an internen und externen Innovationsvorhaben
  • Sie ist eine Alternative zur Gründung eines Unternehmens oder der Mitarbeit in einem Startup
  • Eine spezifische Herausforderung liegt darin, die Anschlussfähigkeit des innovationsorientierten Managementsystems an das häufig vorherrschende effizienzorientierte System sicherzustellen

Die Innovationslaufbahn ist also ein eigenständiger Karriereweg neben der Führungslaufbahn und der Fachlaufbahn. Sie stellt eine Weiterentwicklung der Projektlaufbahn dar, wobei der Fokus auf dem Thema Innovation liegt.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Innovation und digitalem Wandel sollten sich Unternehmen und insbesondere ihre Personalbereiche intensiver mit diesem Karriereweg beschäftigen.

Die Innovationslaufbahn erfordert spezifische Kompetenzen, die sich von denen der klassischen Führungslaufbahn unterscheiden. Wichtige Anregungen kommen dabei von erfolgreichen Risikokapitalgebern und Startups aber auch von Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Unsere Bildungs- und Weiterbildungsinstitutionen stehen vor der Herausforderung, angehende Führungskräfte auf diese Aufgabe angemessen vorzubereiten.

 

Literatur

  1. Dmon, K.: Die Zukunft erfordert Unternehmer – nicht Manager. In: Wirtschaftswoche, 25.05.2016.