Das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz als Game Changer

Das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz als Game Changer

Beim Herbsttreffen des Expertenkreises Innovationsmanagement in Familienunternehmen bei SAP in Ratingen haben wir unser Anfang 2020 erscheinendes neues Buch vorgestellt und uns mit der Frage beschäftigt, wie das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz das Management, die IT-Architekturen und die Innovationspolitik verändern.

 

Wertsteigerung mit datengetriebenen Geschäftsmodellen

Zu Beginn unseres Treffens in der von Walter Brune erbauten SAP-Niederlassung in Ratingen1 erläuterte unser Gastgeber Timothy Kaufmann die Aktivitäten seines Unternehmens beim Thema Internet der Dinge (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI). Von zentraler Bedeutung ist dabei die Wertsteigerung von Unternehmen mit datengetriebenen, digitalen Geschäftsmodellen. Eine solche Wertsteigerung gelingt jedoch nur mit einer guten Verknüpfung der IoT- und KI-Systeme mit den Geschäftsprozessen des Unternehmens und seiner Partner. Dies erfordert eine Weiterentwicklung der IoT- und KI-Architekturen.

 

 

Anschließend präsentierte Herr Kaufmann die Referenzarchitektur der Open Industry 4.0 Alliance, deren Gründungsmitglied SAP ist.2 In der Diskussion standen die Herausforderungen von Familienunternehmen bei der Gestaltung von Innovationsökosystemen und der Zusammenarbeit mit Plattformpartnern im Mittelpunkt.

 

Neues Buch zum Thema der Veranstaltung

Anfang 2020 erscheint bei Springer Vieweg das neue Buch von Timothy Kaufmann und mir zum Thema: Das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz als Game Changer.3 Ich habe beschrieben, wie es zu unserer Zusammenarbeit gekommen ist und was die Schwerpunkte des Buches sind. Wir analysieren anhand von zahlreichen Praxisbeispielen, wie digitale Technologien das Management, die IT-Architekturen und die Innovationspolitik verändern. Dieser Game-Changer-Effekt betrifft auch Familienunternehmen, die einen Großteil der Beschäftigten in Deutschland sichern.

 

 

Ausführlich bin ich dann auf einen der Bausteine des neuen Management 4.0-Paradigmas eingegangen, den wir in unserem Buch behandeln: Den digitalen Wandel in einer evolutionären Organisation. Mit den Teilnehmern haben wir die Frage diskutiert, ob die in den letzten Jahren entstandenen Digitaleinheiten lediglich eine erste Phase auf dem Weg zu einer stärkeren Digitalisierung der gesamten Organisation kennzeichnen und wie es Unternehmen gelingt, neue Ansätze wie Scrum@Scale umzusetzen.

 

 

Ausgehend von einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Schlagwort „digitale Transformation“ habe ich unseren Ansatz zur Gestaltung einer evolutionären Organisation vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei gemeinsame Lernprozesse zu drängenden organisatorischen Fragen, wie der Produktivitätssteigerung mit KI-Technologien. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang neue Formen des Lernens am Arbeitsplatz.4

 

Besuch im SAP Digital Studio und Impulsstatements

Wie SAP Unternehmen bei derartigen Lernprozessen unterstützt, konnten wir anschließend beim Besuch des SAP Digital Studios erleben. Kai Wussow von SAP zeigte, wie SAP in diesem Studio mit Erklärgrafiken und Modellen arbeitet und die Design-Thinking-Methode als Keimzelle für neues Denken nutzt.5

 

 

Im Rahmen von Impulsstatements stellte Dr. Stefan Neuhaus von Insta, dem Spezialisten für Gebäude- und Lichtlösungen, die Smart-Living-Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums vor, bei der sein Unternehmen mitwirkt.6 Ein Schwerpunkt liegt bei KI-Anwendungen. Wir haben intensiv hinterfragt, wie Unternehmen die Ergebnisse einer solchen vorwettbewerblichen Projektphase anschließend im Kampf mit den Digital-Giganten aus den USA und China nutzen können.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die teilnehmenden Unternehmen die Relevanz von IoT- und KI-Technologien erkannt haben. Eine Herausforderung ist zum Teil jedoch noch, aus dieser Erkenntnis passgenaue Programme abzuleiten und die richtigen Partner zu finden.

 

Literatur

  1. Kleeberg, N.: Neue Zentrale kostet 48 Millionen Euro. In: RP Online, 28. Juni 2017
  2. Herzberg, N.: Purpose of the Open Industry 4.0 Alliance.
  3. Kaufmann, T., Servatius, H.G.: Das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz als Game Changer – Wege zu einem Management 4.0 und einer digitalen Architektur, Wiesbaden 2020
  4. Servatius, H.G.: Wie sich die Rolle des Chief Learning Officers verändert. In Competivation Blog, 5. Juni 2019
  5. Schmitz, A.: Innovation – In NRW schlummert noch Potenzial, 1. Oktober 2019
  6. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Konferenz „Mega-Ökosystem Smart Living“, 23. September 2019
Verbesserung des innovationspolitischen Systems als Kernaufgabe der neuen Regierung

Verbesserung des innovationspolitischen Systems als Kernaufgabe der neuen Regierung

Angesichts einer zunehmenden Bedrohung durch dominierende Digital-Unternehmen stellt sich die Frage, ob es der neuen Bundesregierung gelingt, die Leistungsfähigkeit des innovationspolitischen Systems unseres Landes zu verbessern. Hierzu ist es erforderlich, verschiedene Politikfelder zu koordinieren.

 

Bedrohung durch Digital-Champions

Mit der wachsenden Macht der US-amerikanischen Digital-Champions1 und des kommunistischen Kapitalismus „Made in China“2 ist eine doppelte Bedrohung für Europa entstanden. Wenn wir bei digitalen Technologien nicht weiter an Boden verlieren wollen, ist nicht nur ein Gegensteuern von Unternehmen sondern auch der Politik nötig.

Die Schaffung der Position eines Staatsministers für Digitalisierung in der neuen Bundesregierung ist ein lange überfälliger Schritt zur Orchestrierung des notwendigen Aufholprozesses.

Es bleibt aber abzuwarten, ob es einer neuen deutschen Innovationspolitik gelingt, die relevanten Politikfelder wirkungsvoller zu verknüpfen.3

 

Koordination verschiedener Politikfelder

Während das nationale Innovationssystem eines Landes die relevanten Akteure und ihre komplexen Interaktionsprozesse beschreibt,4 fasst der Begriff Innovationspolitik verschiedene politische Handlungsfelder zusammen.5

Wenn wir von einem innovationspolitischen System sprechen, so bringen wir damit zum Ausdruck, dass die Querschnittsaufgabe Innovationspolitik eines integrativen Ansatzes bedarf. In der Abbildung sind wichtige Politikfelder dargestellt. Daneben hat auch in weiteren Feldern, wie Verkehr, Gesundheit, Landwirtschaft, Verteidigung und Inneres das Thema Innovation eine hohe Relevanz.

 

 

Zur Verbesserung des innovationspolitischen Systems unseres Landes bedarf es also neuer Wege bei der Koordination dieser Politikfelder. Damit steht die Innovationspolitik vor einer ähnlichen Aufgabe, wie sie das Innovationsmanagement zu bewältigen hat.

Von zentraler Bedeutung ist eine innovationspolitische Führung und Governance, die den Ordnungsrahmen liefert. Die Verantwortung hierfür sollte bei der Bundeskanzlerin liegen.

Der größte Handlungsdruck für Verbesserungen besteht gegenwärtig wohl bei der Organisation der Zusammenarbeit von Politik, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft. So ist es bislang weder auf europäischer noch auf nationaler Ebene gelungen, ein erfolgreiches Gesamtkonzept für Nachhaltigkeitsinnovationen im Rahmen der Energie- und Mobilitätswende zu realisieren. Auch die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) konnte nicht verhindern, dass die politischen Ziele in diesem Innovationsfeld verfehlt wurden. Gegenwärtig befindet sich die europäische Automobil-Industrie in einer gefährlichen Abhängigkeit von asiatischen Batteriezellenherstellern.7 Allgemein liegt die Schwierigkeit darin, die Interaktion zwischen unterschiedlichen Akteuren und ihren strategischen Verhaltensmustern weiterzuentwickeln. Hierauf zielt z.B. die vom BMBF initiierte Plattform Lernende Systeme (PLS) ab.

Die Grundlage für diese Verbesserungen liefert die strategische Forschungs- und Technologiepolitik. Diese muss eine Antwort auf die Frage geben, welchen Beitrag der öffentliche Sektor leisten kann, um z.B. bei digitalen Technologien wie dem Internet der Dinge und künstlicher Intelligenz die Wettbewerbsposition unseres Landes zu verbessern.

Aufgabe einer innovationsorientierten Wirtschaft- und Umweltpolitik ist es, günstige Rahmenbedingungen für neue nachhaltige Geschäftsmodelle zu schaffen. Dabei bedarf der traditionelle Geschäftsmodell-Ansatz einer Erweiterung um die Akteursgruppen öffentlicher Sektor und Gesellschaft. Daneben ist es von entscheidender Bedeutung, endlich die digitale Infrastruktur auszubauen.

Wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches innovationspolitisches System schafft die Bildungspolitik. Diese steht vor der Mammutaufgabe, von der Schule über die Universität bis zur Weiterbildung die zahlreichen Versäumnisse der Vergangenheit zu überwinden.

Einer innovationsorientierten Finanzpolitik kommt die Aufgabe zu, die notwendigen Investitionsmittel zur Steigerung von Wirtschaftsleistung und Nachhaltigkeit bereitzustellen und sinnvoll zu verteilen. Dies bedeutet auch, Subventionen abzubauen, deren Nutzen zweifelhaft ist.

 

Vertrauen zurückgewinnen

Ein solcher integrativer Politikansatz könnte einen wichtigen Beitrag leisten, um in der Gesellschaft verloren gegangenes Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zurückzugewinnen. Die neue Bundesregierung sollte mit dieser Aufgabe rasch beginnen und zeigen, dass sie beim Thema Innovation keine Weiter-so-Politik betreibt.

Die Wissenschaft hat die Aufgabe, die theoretischen Grundlagen für eine Koordination der Politikfelder weiterzuentwickeln und am Beispiel wichtiger Innovationsfelder in der Praxis zu testen.

 

Literatur

  1. Galloway, S.: The Four – The Hidden DNA of Amazon, Apple, Facebook, and Google, New York 2017
  2. Hua, S., Münchrath, J., Scheuer, S.: Technologie-Macht China. In: Handelsblatt, 9./10./11. März 2018, S. 48-52
  3. Servatius, H.G.: SWOT-Analyse des deutschen Innovationssystems. In: Competivation Blog, 20.04.2015
  4. Lundvall, B.A. (Hrsg.): National Systems of Innovation – Toward a Theory of Innovation and Interactive Learning, London 1992
  5. Welsch, J.: Innovationspolitik – Eine problemorientierte Einführung, Wiesbaden 2005
  6. Servatius, H.G.: Innovationssysteme gestalten und befähigen. In: Competivation Blog, 22.08.2018
  7. Freitag, M.: Der Elektro-Schock. In: Manager Magazin, April 2018, S. 28-34