Von der digitalen Fitness zu Key Performance Indicators

Wie kommt man z.B. beim digitalen Wandel zu den richtigen Key Performance Indicators (KPIs)? Diese Frage hat unseren Expertenkreis beschäftigt.

 

KPIs – Klassisch oder spielerisch?

Das Thema unseres Treffens des Expertenkreises für Technologie- und Innovationsmanager (TIMEX) bei E.ON in Essen war Key Performance Indicators im Innovationsmanagement. Professor Frank Piller (RWTH Aachen) erläuterte zunächst die klassische Perspektive, die durch eine Gliederung in input-, prozess- und outputorientierte Leistungsmessgrößen gekennzeichnet ist. Ein Kontrastprogramm hierzu bildete dann der Beitrag des externen Referenten Professor Avo Schönbohm (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin). Dieser beschäftigte sich mit der Frage, ob und wie man das Performance Management als Serious Game betreiben könne. 1 Ein wichtiges Fazit war, dass starre KPI-Systeme wohl eher der Vergangenheit angehören. Vom Spiele-Design könne man lernen, Interaktionsprozesse erlebnisreich zu gestalten und so die Motivation der Akteure bei der Arbeit mit KPIs zu verbessern.

Anschließend stellten einige Teilnehmer die KPI-Ansätze ihrer Unternehmen vor. Einhellige Meinung war, dass es bei dem Thema sowohl von Seiten der Wissenschaft als auch in der Praxis noch Verbesserungsbedarf gibt. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Wahl einer sinnvollen Vorgehensweise. Ein möglicher Ausgangspunkt ist das Innovationsaudit.

 

Analyse der digitalen Fitness in einem Innovationsaudit

Für viele Unternehmen ist gegenwärtig der digitale Wandel eine der größten Innovationsherausforderungen. Am Anfang steht dabei eine Beantwortung der Warum-Frage: Warum müssen wir uns als Unternehmen ändern und wie dringlich ist das Thema Digitalisierung? 2

Hierin schließt sich eine Beantwortung der Frage an, wie die Innovationsfähigkeiten des Unternehmens im Hinblick auf die Herausforderungen im Umfeld eingeschätzt werden. Der Begriff digitale Fitness beschreibt die digitalen Fähigkeiten im Hinblick auf relevante externe Herausforderungen. Eine bewährte Methode zur Analyse und Bewertung der digitalen Fitness ist die Auditierung des Innovationssystems des Unternehmens. 3

Ein solches Audit bildet eine wichtige Basis für die Entwicklung einer Roadmap mit relevanten Handlungsfeldern. Ein zentrales Handlungsfeld im Rahmen des digitalen Wandels sind neue Geschäftsmodelle und dynamische Strategien. Der Anstoß zu einem solchen Audit kann von der Unternehmensführung oder auch von dem Aufsichtsgremium kommen. Den Rahmen bildet also eine gute Innovation Governance, die den Wertbeitrag von Innovation thematisiert.4

 

Neue Geschäftsmodelle und dynamische Strategien

Die Gestaltung neuer Geschäftsmodelle erfolgt dann in einem agilen Interaktionsprozess gemeinsam mit Kunden und Partnern. Wichtige Bausteine für das spielerische Lernen sind dabei digitale Geschäftsmodell-Muster. Die neuen Geschäftsmodelle liefern aber allenfalls noch temporäre Wettbewerbsvorteile. Diese gilt es, mit Hilfe von dynamischen Strategien zu erzielen, die man in Maßnahmen umsetzt.

Die neue agile Welt bildet den Ausgangspunkt für ein verbessertes Innovationscontrolling.

 

Innovationscontrolling mit adaptiven Leistungsmessgrößen

Ein solches verbessertes Controlling arbeitet mit adaptiven Leistungsmessgrößen. Ihre Implementation erfolgt nach dem Baukasten-Prinzip. Zu einem Geschäftsmodell-Muster, wie z.B. einem Plattform-Geschäftsmodell, gehören die passenden KPIs, die man flexibel an Veränderungen der Strategie und des Umfeldes anpasst. Im Idealfall funktioniert das Ganze ähnlich wie das Nervensystem eines Organismus.

Leistungsmessgrößen sind also Teil eines Systems, das Innovationsherausforderungen und digitale Fitness mit neuen Geschäftsmodellen, dynamischen Strategien und Maßnahmen vernetzt.

 

 

Bei Ihrer Kapitalmarkt-Kommunikation sollten Unternehmen darauf achten, dass dieses vernetzte System schlüssig ist. Key Performance Indicators spielen somit auch beim digitalen Wandel eine wichtige Rolle. Entscheidend ist jedoch ihre Einbettung in ein leistungsfähiges Innovationssystem des Unternehmens.

 

Game Storming für das Controlling von morgen

Am Ende unserer Veranstaltung in Essen veranstaltete Avo Schönbohm mit den Teilnehmern ein Game Storming. Aufgabe war die Gestaltung eines modernen Controlling-Systems für das Innovationsmanagement. Die Teilnehmer waren begeistert. Eine neue Erfahrung: Controlling geht auch spielerisch.

 

Literatur

  1. Schönbohm, A., Gamification im Controlling. In: Controller Magazin, 2016, September/ Oktober, S. 48
  2. Meffert, J. /  Meffert, H. (Hrsg.), Eins oder Null – Wie Sie Ihr Unternehmen mit Digital @ Scale in die Zukunft führen, Berlin 2017
  3. Servatius, H. G., Auditierung des Innovationssystems eines Unternehmens. In: Competivation Blog, 19.03.2015
  4. Servatius, H. G., Innovation Governance als Ordnungsrahmen. In: Competivation Blog, 18.11.2016

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