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Die Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie digitaler Wandel und Energiewende erfordert neue Anstze. Es stellt sich die Frage, wie die Gestaltung entsprechend leistungsfähiger Innovationssysteme gelingen kann.

 

Neue Wege zur Wissensproduktion

Eine Feier, wie die zum dreißigjährigen Bestehen der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultt  der RWTH Aachen1, ist ein Anlass darüber nachzudenken, wie sich die Innovationsforschung weiterentwickeln könnte.

Die von Frank Piller moderierte Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, welche Chancen sich dabei einer Wirtschaftsfakultt an einer führenden technischen Hochschule bieten. Angesichts der großen gesellschaftlichen Herausforderungen geht es um die Gestaltung eines Forschungsansatzes, der wissenschaftliche Exzellenz mit noch größerer praktischer Relevanz verbindet.

Seit mehr als zwanzig Jahren wird die Notwendigkeit eines Modus 2 für die Produktion von Wissen diskutiert.2 Es scheint die Zeit gekommen, einen solchen Ansatz zu konkretisieren und organisatorisch umzusetzen.

 

Transdisziplinäre und stärker gestaltungsorientierte Forschung

Traditionelle Forschungsansätze sind insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften meist auf enge wissenschaftliche Problemstellungen fokussiert. Der Nachteil eines solchen primär disziplinären und erkenntnisorientierten Vorgehens ist, dass die praktische Relevanz der Forschung häufig begrenzt ist.

Große gesellschaftliche Herausforderungen wie der digitale Wandel erfordern hingegen einen transdisziplinären und zusätzlich stärker gestaltungsorientierten Ansatz. Dabei wird eine Zusammenarbeit von Disziplinen wie Informatik, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften sowie Psychologie und Politikwissenschaft nur mit neuen Formen einer die Disziplinen vernetzenden Verständigung funktionieren. Die Chancen einer verbesserten Gestaltungsorientierung steigen, wenn es gelingt, Manager und Politiker im Rahmen von partizipativen Ansätzen an der gemeinsamen Problemlösung und Umsetzung zu beteiligen.3

 

 

Der Übergang zu einem solchen transdisziplinären und zusätzlich stärker gestaltungsorientierten Ansatz zur Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen gleicht einem Paradigmenwechsel. Wie bei allen neuen Paradigmen ist mit Widerstand der etablierten Akteure zu rechnen. Daher ist das Nutzenversprechen einer größeren praktischen Relevanz zu kommunizieren. Dieser Paradigmenwechsel wird von Institutionen ausgehen, die bereit sind mit neuen Formen der Wissensproduktion zu experimentieren.

 

Kooperation unterschiedlicher Akteursgruppen

John Krafcik, der Leiter der Einheit autonomes Fahren bei Alphabet / Google, will kein besseres Auto bauen, sondern einen besseren Fahrer. Dabei spielt Software eine entscheidende Rolle.4

Dies führt zu der Frage, welche Arbeitsformen sich für die Bewältigung derartiger Aufgaben herausbilden werden und über welche Kompetenzen die Verantwortlichen verfügen sollten.

Bei der Gestaltung von Innovationssystemen z.B. für große Herausforderungen wie das autonome Fahren haben wir gute Erfahrungen mit kooperativen Ansätzen gemacht, bei denen politische Institutionen, Unternehmen sowie Forschungs- und Dienstleistungspartner eng zusammenarbeiten.

 

 

Eine solche Kooperation unterschiedlicher Akteursgruppen führt bei allen Beteiligten zu einer Kompetenzerweiterung und zu einem besseren wechselseitigen Verständnis. Jenseits der Sonntagsreden zum digitalen Wandel gilt es nun, die Erfahrung mit derartigen Ansätzen zu vertiefen.

 

Literatur

  1. Thomes, P.; Peters, R.; Dewes, T.: Wirtschaft. Wissen. Schaffen. 30 Jahre Fakultt für Wirtschaftswissenschaften (an der RWTH Aachen) 1986-2016. Aachen 2016
  2. Gibbons et al.: The New Production of Knowledge – The Dynamics of Science and Research in Contemporary Societies. London: Sage, 1994
  3. Servatius, H. G.: Partizipative Forschung zur Gestaltung von Innovationssystemen. In: Competivation Blog, 24.08.2015
  4. Kerkmann, C.; Fasse, M.; Weddeling, B.: Google greift ins Cockpit. In: Handelsblatt, 28./29./30. Oktober 2016, S. 1, 6-7