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Was sich z.B. für das Qualitätsmanagement bewährt hat, lässt sich auch auf das Innovationssystem von Unternehmen übertragen. Allerdings sind bei Innovationsaudits einige Besonderheiten zu beachten.

Was ist ein Innovationsaudit?

Als Innovationsaudit bezeichnet man einen Ansatz zur Analyse, Bewertung und Verbesserung des Innovationssystems eines Unternehmens. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Innovationsfähigkeit im Hinblick auf die Innovationsherausforderungen im Umfeld eingeschätzt wird. Aus einer Gegenüberstellung dieser beiden Dimensionen ergeben sich die in der Abbildung dargestellten idealtypischen Situationen. Wenn sich ein Unternehmen in der Situation eines „möglichen Verlierers“ befindet (gleichbleibende Innovationsfähigkeit bei gestiegenen Innovationsherausforderungen) besteht akuter Handlungsbedarf. Die Beziehung zwischen Fähigkeiten und Herausforderungen beschreibt der Begriff Innovationsfitness. Ein Rückgang der Innovationsfitness der schleichend erfolgt, wird vom Unternehmen häufig solange nicht bemerkt, bis ein Kipp-Punkt erreicht ist.

Die Auditierung von Innovationsystemen ist bislang noch nicht etabliert. Dies liegt unter anderem an der Komplexität der Einflussfaktoren, die ein gutes Innovationsmanagement ausmachen. Von Qualitätssystemen unterscheiden sich Innovationsysteme u.a. durch die

  • noch höhere Bedeutung der Umfelddynamik
  • den unternehmensspezifischen Charakter eines solchen Systems und
  • den großen Einfluss schwer fassbarer Faktoren, wie z.B. einer innovationsfördernden Kultur.

In den letzten Jahren ist in der Praxis ein praktikables Vorgehenskonzept entstanden, dass der Komplexität der Aufgabe Rechnung trägt. Wer allerdings glaubt, mit einem standardisierten Fragenkatalog oder einfachen Softwaretools sei diese Aufgabe zu bewältigen, der verkennt die Schwierigkeit des Themas.

Auditierung als Lernprozess

Das Vorgehen bei einem Innovationsaudit lässt sich in die in der Abbildung dargestellten folgenden sechs Schritte gliedern:

  • Analyse der Herausforderungen im Umfeld
  • Erfassung der vorhandenen Ansätze
  • Stärken-Schwächen-Analyse
  • Ableitung von Maßnahmen
  • Durchführung der Maßnahmen und
  • Erfolgsmessung.

 

Zunächst stellt sich die Aufgabe, die Beteiligten festzulegen. Insgesamt sollte das Audit den Charakter eines Lernprozesses haben, denn in jedem Unternehmen gibt es etwas zu verbessern.

Danach geht es dann darum, ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen an das Innovationsmanagement im Umfeld des Unternehmens zu entwickeln. Wenn die Führung z.B. nicht erkennt, dass das Geschäftsmodell bedroht ist, springt ein Audit, das dieses Thema ausklammert zu kurz.

Bei der Erfassung der im Unternehmen vorhandenen Ansätze des Innovationsmanagements hat es sich bewährt, einen Bezugsrahmen vorzugeben, z.B. eine Gliederung des Innovationsystems in Bausteine mit relevanten Handlungsfeldern.1 Diese Felder werden meist von verschiedenen Organisationseinheiten bearbeitet.

Auf dieser Grundlage erfolgt dann eine Analyse der Stärken und Schwächen des vorhandenen Innovationsystems. Mit einer solchen ganzheitlichen Analyse der Bausteine und ihres Zusammenwirkens betreten viele Unternehmen Neuland.

Die anschließende Ableitung und Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Innovationsfitness bildet den handlungsorientierten Teil eines Audits. Wichtig sind dann eine Erfolgsmessung der Maßnahmen und Bewertung des erreichten Fitnesslevels.

 

Innovationsaudit auch ohne Zertifizierung

Bei der Auditierung von Innovationssystemen gibt es bislang noch keine allgemeingültigen Standards.2 Dies muss aber kein Nachteil sein. Im Gegenteil. Ein intelligenter Auditierungsprozess kann zu Pioniervorteilen führen. Während manche Unternehmen bei etablierten Systemen, wie z.B. dem Qualitätsmanagement, den hohen bürokratischen Aufwand beklagen, sollte eine Auditierung des Innovationssystem flexibel, dynamisch und situationsangemessen bleiben. Unternehmen können das Feld daher in Eigenregie bearbeiten, bevor die Zertifizierungsbranche die sich bietende Marktchance entdeckt.

Literatur

  1. Servatius, H. G.: Gestaltung des Innovationsystems von Unternehmen. In Servatius, H. G.: Piller, F. T. (Hrsg.): Der Innovationsmanager, Wertsteigerung durch ein ganzheitliches Innovationsmanagement. Düsseldorf: Symposion, 2014, S. 21 – 64
  2. Kaschny, M.; Hürth, N.: Innovationsaudit. Chancen erkennen ­– Wettbewerbsvorteile sichern. Berlin: Erich Schmidt, 2010