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Innovationsorientierte Führung ist spezifisch, aber bislang wenig verstanden. Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis zeigen, dass es darauf ankommt, einen geeigneten Rahmen oder Kontext zu gestalten.

Konzeptionelle Lücke in der Schnittmenge

Trotz der Fülle an Literatur zu den beiden Themen Führung und Innovation gibt es bislang kaum befriedigende Antworten auf die Frage, worauf es bei einer innovationsorientierten Führung ankommt. In der Schnittmenge von Führung und Innovation herrscht eine konzeptionelle Lücke. Um besser zu verstehen, was die Kennzeichen einer innovationsorientierten Führung sind, geht man von der These aus, dass sich diese von dem unterscheidet, was man allgemein unter Führung bzw. Leadership versteht.

Unter Praktikern gibt es einen Konsens darüber, dass die Schwierigkeit einer innovationsorientierten Führung in der Bewältigung  des Spannungsverhältnisses zwischen Festhalten und Loslassen besteht. Beispielhaft für dieses Spannungsverhltnis seien hier Gegensatzpaare wie Leistung versus Lernen und Entwicklung, Struktur versus Improvisation oder Top-down versus Bottom-up genannt. Bei einer innovationsorientierten Führung liegt der Schwerpunkt stärker als im Rahmen einer konventionellen Führung beim Loslassen.

Mobilisierung des „Collective Genius“

Erfolgreiche Innovationsführer schaffen für ihre Mitarbeiter eine „Bühne zum Innovieren“. Sie sehen ihre Führungsrolle als „soziale Architekten“ eines organisatorisch-kulturellen Rahmens im Sinne eines Kontextes oder einer Umgebung, die Innovationen fördert oder ermöglicht.

Für die Harvard-Professorin Linda Hill und ihr Autorenteam gelingt es Innovationsführern, den „Collective Genius“ ihrer Organisation zu mobilisieren1.

Wille und Fähigkeit zum Innovieren

Dabei setzt innovationsorientierte Führung am Willen und an der Fähigkeit der Mitarbeiter zum Innovieren an. Eine Steigerung des Willens beginnt häufig mit der Bildung einer Community, die ein übergeordnetes Ziel verfolgt. Außerdem ist es wichtig, gemeinsame Werte und Regeln zu entwickeln. Wichtige Elemente der Fähigkeit zum Innovieren sind kreative Reibung, Agilitt und Integration (siehe Abbildung).

Innovationsorientierte Führung als Kontextgestaltung Abb.

Bislang ist allerdings noch wenig erforscht, ob und wie man Führungskräften die entsprechenden Kompetenzen vermitteln kann.

Scheinbar widersprüchliche Eigenschaften

Innovationsführern gelingt es, scheinbar widersprüchliche Eigenschaften in Einklang zu bringen. Sie sind engagierte Idealisten, aber auch Pragmatiker. Einerseits denken sie ganzheitlich, sind andererseits aber auch aktionsorientiert. Sie sind großzügig aber auch fordernd. Und nicht zuletzt verbinden sie menschliches Verhalten mit Frustrationstoleranz. Insofern sind sie komplexe Persönlichkeiten, die diese Eigenschaften einsetzen, um die Komplexitt einer innovationsorientierten Führung zu bewältigen.

Die Führungskräfteentwicklung steht vor der nicht einfachen Aufgabe, Mitarbeiter mit diesen Eigenschaften zu erkennen und sie in geeigneter Weise zu fördern.

 

Literatur

  1. Hill, L.A.; Brandeau, G.; Truelove, E.; Lineback, K.: Collective Genius. The Art and Practice of Leading Innovation. Boston: Harvard Business Review Press, 2014