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Warum sollten Organisationen eine Einheit für Corporate Venture Management gründen? Eine mögliche Antwort lautet: Um externen Ideengebern mit mehr Respekt zu begegnen.

Schumpeterscher Unternehmer trifft auf interne Experten

Es gilt als chic, wenn Unternehmen Ideenwettbewerbe ausschreiben, an denen sich dann mehr oder weniger kreative Akteure mit ihren Vorschlgen beteiligen. Was aber passiert, wenn sich ein echter Schumpeterscher Unternehmer mit einem radikalen Konzept an eine große Organisation wendet, um diese als Finanzierungspartner zu gewinnen? Der normale Weg ist, dass er bei den internen Experten landet, die seit Jahren in dem entsprechenden Themenfeld unterwegs sind. Deren Reaktionen liegen – so zeigen eigene Erfahrungen – nicht selten jenseits der oft beschriebenen Not-Invented-Here-Effekte. Sie reagieren auf die schöpferische Zerstörung, von der sich bedroht fühlen, emotional-ablehnend.

Jenseits von Not-Invented-Here

Unter dem Begriff Not-Invented-Here oder NIH-Effekt versteht man eine einstellungsbasierte Voreingenommenheit gegenüber externem Wissen. NIH wird bislang meist sozial-psychologisch erklärt. Man versucht, diesem Effekt entgegen zu wirken, indem man z.B. anstrebt, die Einstellungen der Betroffenen zu ändern.

Was aber passiert, wenn das Ausmaß an emotionaler Betroffenheit einen bestimmten Grad übersteigt? Hier liefern die Kultur-Anthropologie und Neuroökonomie ein Verstndnis der Reaktionsmuster und ihrer tiefer liegenden Ursachen. Wir sprechen in diesem Fall von Ultra-Not-Invented-Here und empfehlen in solchen Fllen eine strikte Trennung von emotional Betroffenen und der Bewertung externen Wissens. Dies machen viele Unternehmen aber nicht (siehe Abbildung).

Corporate Venture Management gegen UNIH

Wie kann man sich eine solche Situation vorstellen

Der Begriff „Ultra-Not-Invented-Here“ (UNIH) beschreibt eine Haltung, bei der die betreffende Person ihre eigenen negativen Emotionen gegenüber einem externen Ideenproduzenten nicht kontrollieren kann, weil sie z.B.

  • in Sorge ist, sich mit dieser Idee bei dem eigenen Chef zu blamieren
  • sich ärgert, nicht selbst auf diese Idee  gekommen zu sein
  • befürchtet, die externen Ideen könnten erfolgreich sein und zur Kritik an der eigenen
  • Erfolgslosigkeit führen („Warum ist Ihnen das nicht eingefallen?“)

UNIH wird noch verstärkt, wenn diese Idee von einem unkonventionellen Akteur kommt, den man als fremd empfindet. Von dem Externen wird UNIH als feindliches Verhalten
wahrgenommen. Es macht ihn wütend, und er wird eine Zusammenarbeit zumindest mit der betreffenden Person ablehnen.

Corporate Venturing als Lösung

Ultra-Not-Invented-Here kann zu einer Negativ-Spirale führen, bei der das betroffene Unternehmen in Bezug auf Open Innovation allmählich ein Negativ-Image bekommt und in der Folge von externen Ideengebern gemieden wird.

Daher sollten Unternehmen, die ernsthaft an unternehmerischen Impulsen von außen interessiert sind, über die Etablierung eines Corporate Venture Managements nachdenken1. In einer solchen Einheit erfährt der Schumpetersche Unternehmer eine hohe Wertschätzung und einen professionellen Umgang.

Es wird spannend sein zu verfolgen, welche weiteren Unternehmen diesem Muster folgen.

 

Literatur

  1. Lerner, J.: The Architecture of Innovation – The Economics of Creative Organizations. Boston: Harvard Business School Publishing, 2012